
Stromerzeugung
Elektrisches Licht
Schon um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert hatte der damalige Müller Zinselmeyer das Mühlrad zur Erzeugung elektrischer Energie genutzt.
Mit Hilfe der Wasserkraft wurde über Transmissionsriemen und Räderwerke, dem sogenannten Vorgelege, der bis heute erhaltene Gleichstromgenerator betrieben.
Per Schalttafel ließ sich der Strom auf Glühbirnen und Akkus verteilen. Letztlich hat die Mühle am Hederufer die Elektrifizierung des Dorfes Verne angestoßen, bis sie dann ab 1910 nach und nach durch den zentralen Energieversorger – der PESAG – auf die Wechselstromtechnik umgestellt wurde.
Die Anlage
Neben dem Gleichstromgenerator (Dynamo) und der dazugehörigen Getriebetechnik erinnern die nach wie vor erhaltene Verdrahtung sowie ein mit 36 Akkus bestückter Raum oder auch die Schwefelsäureflasche zur Pflege der Akkuzellen an die Anfänge der elektrischen Energiegewinnung per Wasserkraft.


Da der Mühlenbetrieb nur dann möglich war, wenn ausreichend Wasser zur Verfügung stand,
war es sehr wichtig, daß man den erzeugten Strom auch zwischenspeichern konnte.
Dadurch konnte der Strom genau dann bereitgestellt werden, wenn er für die Beleuchtung der Mühle und der benachbarten Häuser benötigt wurde.
Dank der technisch ausgereiften Blei-Säure-Akkus, die ab den 1890er-Jahren auf dem Markt waren, wurde dieses Vorhaben realisierbar!
Ein zentrales Element der Anlage bildeten die Akkumulatoren:
Für ihre lange Lebensdauer war eine fachgerechte Handhabung unerlässlich,
die insbesondere eine vollständige Entladung sowie das Überladen zu verhindern hatte.
Einen Laderegler hierfür gab es damals noch nicht. Das war eine Aufgabe, die der Müller neben seiner eigentlichen Arbeit erledigen mußte!
Hierzu stand ihm eine Schalttafel zur Verfügung, mit deren Hilfe er die Betriebsarten Laden (Aufladen Akkus) und Entladen (Lampenbetrieb = Stromeinspeisung ins Lichtnetz) steuern und kontrollieren konnte:
Diese Marmor-Schalttafel (Marmor deswegen, weil es der perfekte Isolator war) wurde im Herbst 2017 von Auszubildenden des Ausbildungszentrums der Westfalen Weser Netz GmbH restauriert.
Die Akkus
Die 36 Bleisäureakkus waren aus Sicherheitsgründen in einem separaten Raum, dem sogenannten Batterieraum, untergebracht:
Sie waren mit Emaille-Schildern durchnummeriert von
1 bis 36.
Dieser Raum unterlag seinerzeit hohen Sicherheitsanforderungen:
So mußte beispielsweise aus Brandschutzgründen eine preußische Kappendecke im Batterieraum verbaut sein.
Eine andere Sicherheitsmaßnahme betraf die Aufstellung der Akkuzellen: Sie standen aufgereiht auf einem Holz-Grundgerüst, welches auf Böcken auf geklinkertem Boden aufgestellt werden mußte.
Zur Funktion
Alle 36 Akku-Zellen waren in Reihe untereinander verschaltet und aufgeteilt in 2 Funktionsgruppen:
dem Stammzellenblock und dem Schaltzellenblock.
Der Stammzellenblock bestand aus 24 Zellen. 24 Stammzellen deshalb, weil sie im aufgeladenen Zustand bereits die Lichtnetzspannung von 65 V liefern konnten.
Die restlichen Zellen waren die Schaltzellen.
Sehr prägnant auf der Marmorschalttafel sind die großen runden Zellenschalter 1 und 2.
Zellenschalter 1 (auch Entladehebel genannt) kam zum Einsatz im Lampenbetrieb, dem sog. Entladebetrieb.
Der Lampenbetrieb startete immer zuerst mit den voll aufgeladenen Stammzellen, da diese bereits die 65 V liefern konnten. Mit zunehmender Entladung sank jedoch ihre Spannung.
Damit diese konstant bei 65 V blieb (damit die Lampen nicht flackerten), konnten dann über Zellenschalter 1 einzelne Schaltzellen zugeschaltet werden (darum „Schaltzellen“) –> das war die „Spannungsregelung“.
Zellenschalter 2 (auch Ladehebel genannt ) wurde benötigte im Akku-Ladebetrieb. Die Aufladung der Akkus startete man zunächst mit der gemeinsamen Aufladung aller 36 Zellen. Da die Schaltzellen aber im vorherigen Lampenbetrieb erst später zugeschaltet worden waren, waren sie auch beim Laden eher vollgeladen. Deshalb mußten sie über den Zellenschalter 2 während des Ladevorgangs einzeln nach und nach von der Ladeleitung abgeschaltet werden, um ihre Überladung zu verhindern –> das war die „Ladereglung“.
Der Beleuchtungsbetrieb / Lampenbetrieb
Waren die Akkumulatoren aufgeladen, konnte mit zunehmender Dunkelheit auf 3 verschiedene Arten die Mühle und das Dorf mit Strom bzw. mit Licht versorgt werden:
- Reiner Dynamobetrieb:
Abenddämmerung: Nur der Dynamo wird zur Stromlieferung herangezogen. Die Akkus verbleiben in „Reservestellung“ und lassen sich später mit zunehmender Dunkelheit parallel zuschalten - Parallelbetrieb Dynamo und Akkus:
Dunkelheit: Dynamo UND Akkumulatoren liefern gemeinsam den Strom in der Zeit des maximalen Strombedarfs, wenn die Lichtanforderung sehr hoch ist. Dies ist die Betriebsart mit der maximalen Leistungsabgabe - Reiner Akkubetrieb:
Spät(er)e Abendstunden: Nur die Akkumulatoren liefern Strom bei geringerem Lichtbedarf; der Dynamo ist abgekoppelt.


